Salut, ich bin Agnes Czifra. Seit einiger Zeit habe ich Freude daran, aus alter Kleidung Schmuck zu machen. Das Textile in all seinen Facetten, die Geschichte und die feinen Einzelheiten eines jeden Kleidungsstückes lösen immer wieder aufs Neue Begeisterung aus und stehen somit am Anfang der Ideen-Kette. Was dabei herauskommt, ist gleich weiter in der Bilder-Galerie zu sehen
Am Freitag, den 17.Juni.2011 um 19h findet die Vernissage der Ausstellung “Textilschmuck-Objekte” statt. Es sind Schmuckstücke von mehreren Textilkünstlerinnen vertreten, darunter auch von agnescz! Die Ausstellung ist dann bis 15.Juli.2011 zu sehen.
Textilkunstgalerie Salzburg, Steingasse 35 www.sammlung-aichhorn.at
Sandra ist eine Frau mit Stil und vergisst nichtmal nachts darauf! Ich trage Nachtkleider lieber am Tag. Um den Hals.
Hilde hat mir einen Stapel neu verpackter Unterhosen gegen Blasenschwäche am Flohmarkt verkauft. Sie fand sie am Dachboden ihrer verstorbenen Eltern.
Meine Mutter Nini ist Harfenistin in einem Volksmusik-Ensemble, weswegen sie Dirndlkleider und dazugehörige Schürzen in verschiedensten Ausführungen besitzt. Als Kind wurden mir ab und zu ähnliche Uniformen angezogen — damals trug ich sie sehr gerne, heute habe ich sie lieber andersrum um.
Lavinia ist eine Dame aus edlem Haus, so ist auch ihre Kleidung äußerst vornehm. Ziemlich am Ende meines Parisjahres schenkte sie mir die elegante Hose für feine Vernissagen, Festspielbesuche in Salzburg und Co. Als der Reißverschluss nur mehr mit Gewalt zuging, kamen Schere, Faden und Nadel an den Zug.
Die Spinggummi-Kollektion hat mit Geschenken von kleinen Freunden angefangen… als die Ideen mit dem Vorrat nicht mehr im Gleichgewicht standen, setzte ich nach Jahren wieder einen Schritt in den Bad-Reichenhaller Laden, in dem ich auch als Kind die „Pausenfreuden“ erstanden hatte. Die Farben sind etwas schriller geworden, aber Gummi bleibt Gummi.
Gabriele hatte in den Siebziger Jahren einen kleinen Kleiderladen. Obwohl das Geschäft schon seit langer Zeit geschlossen ist, stehen noch zahlreiche Kisten auf ihrem Dachboden. Sie konnte sich von all den Stücken, dessen Preise sie mit der Hand beschriftet hatte, verständlicher Weise nicht trennen. Als sie von meinen Schmuckideen hörte, lud sie mich zu Kaffee und Kistenkramerei ein.
Mit dem Paket von Ursula hat die Post einen richtigen Schatz bei mir vor die Türe gesetzt — der rote Schal mit den vielen „Farbklecksen“ ist nur einer von vielen. Die Bluse ist ein Fund aus Gabrieles Kisten, die seit der Schließung ihres Ladens in der Ecke ihres Dachbodens auf mich gewartet haben.
Wieder mal etwas von meiner Lieblingsute: Strumpfhosen in so wahnsinnig tollen Farben, dass sogar mir der Griff zur Schere nicht leicht gefallen ist. Aber so können sie keine Laufmaschen bekommen!
Petra hatte einen Nähladen, den sie vor einigen Jahren schließen musste. Auf dem Flohmarkt kennengelernt, durfte ich sich auch daheim besuchen und so fand ich neben x Spulen Nähseide einige „80er-Jahre-Verbrechen“. Schon lustig, wie viele Erinnerungen wach werden, wenn ich das ovale Ding sehe, das auf jeder meiner „Spielplatzhosen“ klebte. Wunderbar.
Gerri war bis zu seiner Pensionierung letzten Jahres Vertrer einer großen Kleiderfirma. Knapp nach Antritt des Ruhestandes stellte er sich mit einem Hemden- und Krawatten- Stand auf einen Flohmarkt, auf dem auch ich gerade unterwegs war.
Das T-Shirt war eines der erwählten Stücke, die mich trotz strenger Gepäcksbeschränkung mit auf mein Auslandsjahr nach Paris begleiten durften. Seine Kapuze hat bei sämtlichen Windattacken rund um die Pariser Métro-Ausgänge zu mir gehalten — ich wollte sie also behalten und formte sie zu einer Kette.
Nini ist meine Mutter und sieht ihren Kleiderkasten somit in ständiger Gefahr. Zurecht. „Nein Agnes — du brauchst gar nicht erst so schauen... das wird nicht zerschnitten!“ Sehr oft aber stellt sie dann doch fest, dass das jeweilig begehrte Stück schon seit langer Zeit nicht mehr die Ehre hatte, von ihr getragen zu werden... und so bekam ich auch ihr wunderbar lila-blau-orange-rosa-schimmerndes Abendkleid ab.
Ich fand Blusen schon immer hübsch, allerdings trug ich sie in den seltensten Fällen. Turnschuhe, Jeans, T-Shirt + Kapuzenjacke — mein Stil in Kürze beschrieben. Nach vierjähriger Verbannung in den Kasten bekam sie meine volle Aufmerksamkeit.
Die BH-Reifchen werden kaputt, die Farben entsprechen nicht der aktuelllen Laune, die Spitzen haben die falsche Waschtemperatur abbekommen, die Schublade geht über… alles Gründe, sich von den genialen Trägern zu trennen? Nein.
Geli hat den blauen Seidenschal auf einer ihrer Indienreisen erstanden. Sie hat ihn mir zum Verarbeiten gegeben, weil er am einen Ende etwas Wein abbekommen hatte. Ursula hat mir aus München ein Paket mit tollen Stücken zukommen lassen. Unter anderem die Blumenstola, die in Kombination mit Gelis Schal für Frische sorgt.
Inges tollen Seidenrock hätte ich gerne selbst angezogen, aber leider hat er mir nicht gepasst. Sie ließ ihn sich bei einer Linzer Schneiderin nähen und trug ihn in den 90er-Jahren vor allem im Büro.
Leonie hat knallrotes Haar und trägt passend dazu meist Olivgrün. Sie hat sich die Wildseidenbluse während eines Skiurlaub-Aufenthaltes in Kitzbühel geleistet... das ist allerdings schon einige Jahre her und so passte das schöne Stück nicht mehr so gut wie einst.
Wir vier haben mal alle unter einem Dach gelebt. Es war nur ein Jahr, aber eine wundervolle Zeit.
Es ist schon verwunderlich, dass die originellen Schulterpolster gar nicht zu sehen sind. In Form der Rosen werden sie etwas mehr gewürdigt.
Wenn ich so nachdenke, wie viele tolle Ketten ich schon getragen gesehen habe, fallen mir etliche ein. Bei Krawatten hat keine einzige bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit dem Wunsch meines Freundes Mo, auch ein Schmuckstück zu bekommen, setzte ich meine Experimentierfreude in Gang.
Das schwarze Kleid meiner Mutter, das sie vorallem bei Chorauftrittten trug, eignete sich bestens für die Krawatte in Schwarz/Gelb.
Man möchte meinen, BH-Träger ist BH-Träger… aber die Vielfalt beweist, dass es nicht so ist. Sowie mit den Ketten.
Mara hat mit dem Frühling die Farbenfreude entdeckt und sämtliche schwarze Kleidungsstücke aussortiert. Unter anderem auch das Stück, das ich hier mit kleinen runden Elementen, aus Lottes Rock entstanden, in Kombination gesetzt habe.
Schon spannend, was sich alles am Bein tragen lässt…
Sabine führt einen kleinen Strumpfladen in Bad Reichenhall. Zu Kollektionswechsel schenkte sie mir die vielen Strumpfstreifen, die als eine Art Katalog der Ansicht im Geschäft gelten. „Füllmaterial“ sind Bierdeckel, die meine Eltern beim Ausräumen in der Küche gefunden haben. Auch die Wand freut sich über Schmuck!
Hier präsentieren meine Brüder Tobi und Niki Krawatten, die aus den schönen farbkräftigen Accessoires von Ursula und Gabi entstanden sind. Sie waren bei der Hochzeit unseres Bruders Johannes und seiner Frau Helene nicht zu übersehen!
Patrizia ist Salsa-Tänzerin... So feurig wie ihre Tanzauftritte sind auch ihre Accessoires und somit die beiden Ketten, die aus einem ihrer Schals entstanden sind.
Vivienne ist eine liebe Pariser Freundin, die mich bei jedem Treffen mit einer anderen dieser hübschen kleinen Umhängetaschen überrascht hat. Als sie feststellte, dass sie mehr Taschen hat als Anlässe, diese auszuführen, bekam ich die wunderschöne Seidentasche anvertraut, um Neues daraus zu machen. Für eine so voluminöse Kette brachte die Tasche etwas zu wenig Stoff — da kam Lindas Schal in ähnlicher Farbe genau richtig!
So wunderbar wie meine Mutter ist, sind meine Kindheitserinnerungen. So wie ich mich in roten Blumenröckchen sehe, trägt sie in all den Erinnerungen Kleider — viele von ihnen mit Bändern wie diesem.
Die erste Seite aus meinem wunderschönen Zeichenblock - aus dem kleinen Papierladen gleich bei der Sorbonne um die Ecke - wurde also nicht bezeichnet und bemalen, sondern an Festigkeit getestet. Prüfung bestanden. Bestens.
Elisabeth hat mir als ihr Patenkind wunderbare Tücher und Schals anvertraut. Ich liebe es, sie bei den verschiedensten Anlässen zu tragen und in neuen Kombinationen auszuprobieren. Den Schal habe ich im Gegensatz zu den anderen kaum getragen — irgendwie fehlte was…
Ein tolles T-Shirt, das mir leider nicht mehr gepasst hat… aber vielleicht sind es ja gerade die Knöpfe, die es toll machen.
Der Rock hatte einfach die falsche Länge; zumindest für eine Zu-spät-Kommerin wie mich, die täglich Bus, Métro oder sonstigem nachlaufen muss und somit entweder sportliches Gewand braucht oder Röcke in der richtigen Länge. Um den Hals kann mich der Rock nicht mehr daran hindern, sämtliche Verkehrsmittel zu erwischen.
Punktetapeten, Punkteteller, Punktetassen... Punkte, Punkte, Punkte überall. Darf ich vorstellen: Emma.
Nicht nur Anikós Name, auch ihre vielen, vielen Tischdecken verraten, dass sie Ungarin ist. Sie schmücken den Kaffeetisch, wenn Freundinnen kommen sowie die ganze Wohnung, wenn Feste fallen. Wie schade, dass man die vielen Einzelheiten gar nicht mehr sieht, wenn Kuchenplatte und Teetassen die Fläche füllen. Um den Hals herum kann man es doch viel besser bewundern!
Der sonnige Schal, den Christine in Italien erstanden hat, ließ sie so manche Salzburger Regentage überstehen. Bei ihrem Umzug musste sie sich trotzdem von ihm trennen.
Alfons stand mit einer Kiste Schuhbänder auf dem Wiener Naschmarkt als ich ihn kennenlernte. Es sind alte Riemen aus dem Laden seines Vaters, den er schweren Herzens schließen musste.
Lilli ist zehn Jahre alt und wie es so mit Kindern in dem Alter ist, wächst sie schnell, sehr schnell. Doch ihre Mama hat die Strümpfe nicht umsonst gekauft, denn aus der Kette kann niemand mehr »herauswachsen«.
Aurelia und Lilli hatten dank den bunten Gummis lustige Pausen im Schulhof. Auch in mir werden zahlreiche Erinnerungen an Hüpfereien, Gummitwistsprüche und… und… und wach, wenn ich die witzigen Dinger zu Ketten lege. Aurelias Gummis stammen aus einem kleinen Pongauer Dorfladen.
Als richtige Mädchen präsentiert unser Kasten mehr als nur ein pinkes T-Shirt. Nach einer gemeinsamen Aussortiererei war meine pinke Vorratskiste also leicht überfüllt, was die Kette zur Folge hatte.
»Was?! Sogar Unterwäsche?« ... Antwort: Na klar, die erst recht! Wozu kauft man sich BHs in verschiedensten Farben, Unterwäsche mit wunderbaren Mustern? Um sie herzuzeigen, na eben. Sie für mehrer Anlässe öffentlichkeitstauglich zu machen war Wunsch, Ziel und Ergebnis.
Bärbel ist eine noble Frau und Dirndlliebhaberin, was das Ergebnis hat, dass sie unglaublich schöne Seidendirndl besitzt. Ein Kleid schöner als das andere, habe ich mich wahnsinnig darüber gefreut, eines davon in eine Kette verwandeln zu dürfen.
Der Rockbund von den verschiedenen Trachten hat mich schon immer fasziniert. Ich fand es nur immer schade, dass er von der jeweiligen Schürze verdeckt wird. Eine Kette, die gänzlich dem Rockbund gewidmet ist.
Sandra hatte das schicke Kleid in den 70er-Jahren an. Sexy + provokant und doch auch zugleich elegant + klassisch. Sandra sowie ihr Kleid
Bisher gelang es mir noch nicht, einen Abend mit einer schicken Stola ohne traurigen Ausgang über die Bühne zu bringen. Eine Stola wickelt man nicht wie einen Schal um den Hals, schlüpft aber auch nicht wie bei einer Jacke durch die Ärmel. Für mich logische Folge: man lässt sie liegen, vergisst sie, verliert sie... Gloria hat ebenso schon drei verloren. Die vierte brachte sie in weiser Vorhersicht zu mir.
Harumi und ich sind während einiger Französisch-Kursstunden, die ich ein Jahr lang täglich in Paris besucht habe, nebeneinander gesessen. Sie ist über 40 Jahre älter als ich und hat dementsprechend viel Mut bewiesen, als sie ihr Leben in Tokyo „aufgab“ um ihren Lebenstraum, einmal in Paris zu wohnen, zu verwirklichen. Die Tischdecke hat sie mir als Erinnerung an sie geschenkt... da sie für meinen kleinen Esstisch leider zu groß war, habe ich beschlossen, mehrere kleine Erinnerungsstücke daraus zu machen.
Ich habe Stefanie kennengelernt, als sie in ihrem kleinen Wiener Atelier einen Flohmarkt veranstaltete. All die Dinge, von denen sie sich trennte, teilten die Eigenschaft, ausgefallen und extravagant zu sein. Sie war recht erleichtert, dass ihr schon etwas altmodisch gewordenes Kleid, eine „flippige Wiedergeburt“ erleben würde.
Man muss kein Hundefreund sein, um das Muster von Manuelas Schal lustig zu finden. Ein witziger Schal einer farbenfrohen Frau, die das Detail nie aus dem Auge lässt.
Marion trug das Kleid an vornehmen Abenden — im Theater mit anschließendem Restaurant-Besuch, etc. Damals war ihr Kasten gefüllt mit Grüntönen, heute ist alles Blau. Jeden Lebensabschnitt in eine andere Farbe zu tauchen, gelingt ihr ganz hervorragend.
So schön die Stoffe oft sind, ist es ja doch der Kragen, der die Bluse vom T-Shirt unterscheidet und ihr je nach Ausführung einen Platz in der Hierarchie der Eleganz verleiht. Warum immer eine Bluse anziehen, wenn man einfach mal nur Lust auf einen tollen Kragen hat?!
Ingrid, die Tante meiner Mutter, hatte nicht nur flippige Kostüme aus außergewöhnlichen Stoffen, sondern auch edle traditionelle Kleider. Ihre Tochter Nicole hat mir einige anvertraut, darunter auch das tolle Seidendirndl.
Als Anzugträger besitzt mein Vater zahlreiche Krawatten. (Leute, die so fröhlich und freundlich wie mein Vater sind, können sich auch klassische seriöse Krawatten erlauben.) Als ich dringend ein Weihnachtsgeschenk für meinen Freund brauchte, trennte sich mein Vater Mo und mir zu Liebe von einer. In Kombination mit dem Schal, den ich bei den vielen Jugendchor-Auftritten trug ergibt sie die erste aus meiner Krawattenkollektion.
Lotte hat eine Vorliebe für hippe Kleidung. Wie hipp der Rock eigentlich wirklich ist, ist in Form der Krawatte gar nicht mehr zu sehen, aber zumindest die bunten Flecken spiegeln etwas den schrillen Charakter.
Marika besitzt einen kleinen Laden in der Martinstraße, gleich bei mir um die Ecke. Der große Korb vor der Eingangstür ist immer wieder mit genialen Stoffresten gefüllt, die sich mit von mir Gesammeltem bestens kombinieren lassen.
Dora mag Tücher mit großen Mustern. Ihr Kasten ist voll mit solchen Exemplaren, die sie zu jeder Gelegenheit trägt. So voll, dass ich eines davon geschnappt habe, um wieder Platz für neue tolle Tücher zu machen. Das Muster erscheint jetzt ganz klein, doch Dora freut sich riesig, ihr Tuch mal in anderer Form getragen zu sehen.
Gabi ist eine sehr verträumte Frau — ihre Welt ist voll von Herzen, Sternen und Rosen. So ist auch aus ihrer Jacke eine Rose entstanden. In Wolle eingenäht, sorgt der Schwimmball meiner Brüder und mir für Aufmerksamkeit. Vor ca. zehn Jahren war er noch bei den verschiedensten Ballspielen im Wallersee viel im Einsatz. Damals sind wir ihm des öfteren nachgeschwommen, jetzt hängt er fest.
Rosa ist eine vielreisende Frau mit extravagantem Geschmack. Ein Blick in ihren Kleiderkasten ermöglicht eine zehnminütige Weltreise, denn all die Stücke wurden von je einer anderen Reise mitgebracht. Den hier verarbeiteten Seidenschal erstand sie auf einem großen Markt in Indien, ihrem Lieblingsland.
Die Bluse wurde in Paris getragen — als klassisches Kleidungsstück wohl zu eleganterem Outfit. Den eleganten Charakter behält sie in Form der Kette weiter, allerdings sorgen die kleinen Blümchen aus Elodies Rock im Romantik-Style für Verspieltheit.
Philippes Hemd mit den aufgemalenen chinesischen Schriftzeichen, die nur noch wie kleine schwarze Flecken als Elemente erscheinen, die edle Wildseide von Ullas schwarzem Kleid und die Knöpfe, die mir Marie-Pierre mit viel Wehmut auf dem großen Pariser Straßen-Flohmarkt in der Rue St. Charles verkauft hat, geben ein stimmiges Trio. Marie trug ihr Kostüm mit den lustigen Knöpfen in den 70er-Jahren — es war sogar dabei, als sie ihren Mann kennenlernte.
Die Lust, eine Kette entstehen zu lassen, war groß, die Materialsammlung klein... So gab es eine Art Rollenwechsel und das Werkzeug wurde zum Werk.
Ich stand schon vor dem Kleidercontainer, der direkt vor der Kirche St. Etienne platziert ist, als ich doch wieder alles in die Tasche packte und es anschließend verarbeitete. Mein T-Shirt, das mich auf dem Weg von Salzburg nach Paris begleitet hatte — an dem Tag voll Aufregung dabei war — jetzt gemeinsam mit all den bunten Dingen in eine Tonne zu hauen, brachte ich doch nicht übers Herz
Was war das für eine Überraschung als eines Tages ein Päckchen mit dem neuesten Fund vom Naschmarkt vor meiner Pariser Haustüre lag. Mit meinem T-Shirt und Kleid überzogen sind sie bunten Dinge gar nicht mehr so leicht als Kabelbinder erkennbar!
Obwohl ich für eine sehr große Auswahl an T-Shirts, usw. bekannt bin, reduzierte sich der Inhalt meines Kastens innerhalb kürzester Zeit auf einen Bruchteil. Gerade vor der Winterzeit, die sich in Paris schon lautstark angekündigt hatte, waren Hemmungen da, noch mehrere meiner Kleidungsstücke zu zerschneiden und so probierte ich mich mal an Papier,- das Textile dabei nicht ganz außer Acht gelassen.
Punkte, Punkte, Punkte überall. Wie so viele Kinder, haben sie mich schon als kleines Mädchen fasziniert, doch auch heute noch kann ich von dem verspielten Muster nicht genug bekommen. Dieses einfache Stilelement schafft es ohne großes Geschnörkel und Tammtamm Fröhlichkeit und Verspieltheit in den Alltag zu bringen. Der rote Träger von Utes T-Shirt unterstreicht das Ganze noch einmal.
Ich möchte es schon beinahe als Brauch bezeichnen: die Pariser Art, Fernseher, Computer und Co los zu bekommen. Recyclinghof — nein, es gibt doch eh den Wagen, der kommt. Das Zeug vor der eigenen Tür abladen — nein, da ist doch noch die vom Nachbarn... Und so hatte auch Antonio, der Besitzer des italienischen Restaurants neben mir Gefallen daran, ab und zu ein Kabelmonster vor meinen Eingangsbereich zu stellen. Als ich die bunten Knöpfe auf einem der richtig großen Pariser Flohmärkter erhandelte, war ich ihm auch ein keines bisschen dankbar dafür.
Ute hat die besten Strümpfe - also tolle Strümpfe in super Qualität. Das heißt sie unterscheiden sich erheblich von jenen, die ich mir mal schnell im Laden gegenüber besorge, wenn es doch plötzlich kälter wird als ich gedacht hatte. Die Strümpfe sind bestens zum Verarbeiten und somit auch bestens zum Tragen.
John kann man sich wohl schlecht mit Rock vorstellen. Er stammt ja auch nicht aus seinem Kleiderkasten, sondern aus seiner Kollektion. John. John Galliano. Nobler Stoff, noble Kette
Eins, zwei, drei vier — hüpfe gern’ mit dir, fünf, sechs, sieben, acht — hüpfen bis heut’ Nacht, neun, zehn — wollen nicht schlafen geh’n. …Zahlreiche Hüpfsprünge, die mich zurück an den Schulhof versetzen. Eine Kette, frech wie die Sprüche und all die Schulhofzwerge.
Das Ausgangsmaterial macht wohl schon den Ruf dieser Kette aus: ein sexy Stück, das auch das mäuschengraue Kleid aus dem Second-Hand-Laden etwas aufregender macht.
agnescz ist mein Projekt, mein Label, meine textile Ideensammlung, der Titel meiner Lieblingswerke oder ganz einfach: Agnes und Czifra. Hinter meinem Namen stehe ich: eine Einundzwanzigjährige, die aus Salzburg kommt und zur Zeit in Wien lebt und werkt.
Angefangen hat alles mit der wahnsinnigen Angewohnheit, immer etwas in den Händen haben zu müssen... Als ich, der strengen Gepäcksbegrenzung der Billigfluglinien zum Dank, ohne meinen Krims-Krams-Kisten mein Auslandsjahr in Paris anging, musste also etwas Anderes an die Stelle der gewohnten Materialien treten. Wie die Ergebnisse zeigen, sprachen mich Material, Farbe und Form meiner Kleidungsstücke am meisten an.
Jedes Kleidungsstück ist mit Erinnerungen behaftet — Erinnerungen an kleine Momente, die sonst vielleicht schon längst in Vergessenheit geraten wären sowie Erinnerungen an großartige Ereignisse, die im ständigen Bewusstsein sind. Trotz alldem werden die meisten Stücke irgendwann ersetzt — das Kinderkleid, weil es nicht mehr passt, die Hippie-Hose, weil sie »verjährt« ist, das T-Shirt, weil es ein Loch hat, der Pulli, weil er eingegangen ist… All diese Dinge, die bei den verschiedensten Geschehnissen hautnah dabei waren, den eigenen Veränderungen enstprechend zu verarbeiten und somit den Wert dieser und der Erinnerungen, die sie mit sich tragen, zu unterstreichen, gilt als Leitfaden meiner Arbeit beim Herstellen der Ketten, die alte und neue Geschichten zusammenführen…
Galerie V&V
Bauernmarkt 19
1010 Wien
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Gunda Maria Cancola
Atelier für feine Maßarbeit
Dreifaltigkeitsgasse 3
5020 Salzburg
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